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Begehung an der Dill

Ideen für einen lebendigen Flussraum in Herborn

Rund 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten am Samstag den 21.03.2026 der Einladung des Herborner Vereinsbündnisses zu einer Begehung entlang der Dill. Ziel der Veranstaltung war es, die Bachelorarbeit der Landschaftsarchitektur-Studenten Paul Passauer und Florian Schimgen aus Geisenheim vorzustellen, die sich mit einer integrierten Flussraumgestaltung der Dill in Herborn befasst.

Das Bündnis, bestehend aus dem BUND Herborn, den Dillkreis Jägern, den Freunden der Flora Herbornensis, dem Geschichtsverein Herborn, „Wir für Herborn“ sowie der Natur- und Vogelschutzgruppe 1964 Merkenbach, hatte bereits im Januar zu einer ersten Informationsveranstaltung eingeladen. Nun konnten sich die Teilnehmenden vor Ort ein Bild von den vorgestellten Konzepten machen.

Ausgangspunkt der Begehung war die Obertorbrücke. Hier begann auch die Analyse für die Bachelor Arbeit. Der Student Paul Passauer erläuterte die aktuelle Situation: Die Dill ist an dieser Stelle stark verbaut, mit gepflastertem und betoniertem Flussbett. „Der Fluss wirkt steril und bietet kaum Lebensraum für Tiere“, erklärte Passauer. Durch die glatte Oberfläche sei zudem die Fließgeschwindigkeit erhöht, was die ökologische Qualität weiter mindere.

Das Konzept sieht vor, den Abschnitt am Obertor aufzuwerten, ohne den Hochwasserschutz zu gefährden.

Gerade im Bereich des nahegelegenen Stadtparks spiele dieser eine zentrale Rolle. Das Hochwasser von 1984 sei vielen Herbornern noch in Erinnerung. Die Stadt profitiere von Schutzmaßnahmen der Dill oberhalb Herborns, etwa in Dillenburg, während eigene Maßnahmen wiederum Auswirkungen auf flussabwärts gelegene Orte wie Wetzlar hätten.

Geplant sind unter anderem Holzterrassen auf der sonnenzugewandten Seite des Flusses sowie ein etwa 40 Meter langer Steg, der mit geringem Gefälle einen barrierearmen Zugang ermöglicht. Diese Elemente sollen so konzipiert werden, dass sie im Hochwasserfall keine Hindernisse darstellen oder flexibel angepasst werden können. Durch Kies, Steine und gezielte Bepflanzung soll zudem neuer Lebensraum für Fische und Insekten und andere Lebewesen entstehen.

Der Weg zum zweiten Abschnitt der Bachelor-Arbeit führte die Gruppe am eisernen Steg vorbei.

Hier sei die Dill bereits naturnäher gestaltet, erläuterte Passauer. Anhand dieses Bereichs zeigte er, wie ein funktionierendes Flusshabitat aussehen kann und welche positiven Effekte eine geringere Verbauung hat.

Ein weiteres zentrales Element der Arbeit ist die Umgestaltung des sogenannten Schießplatzes.

Dieser Bereich gilt derzeit aufgrund der ständigen Vermüllung, Nutzung als Parkplatz und mangelnder Aufenthaltsqualität als wenig attraktiv. Gleichzeitig bietet er durch das Fehlen einer Hochwasserschutzmauer neue Möglichkeiten:

Die Dill kann sich hier freier entfalten. Passauer schlägt vor, den Fluss wieder stärker mäandern zu lassen und durch einen Nebenarm zu ergänzen. Trittsteine sollen beide Ufer verbinden, während ein Kiesstrand und eine Holzterrasse neue Aufenthaltsbereiche schaffen. Der Platz selbst soll entsiegelt und klimaangepasst begrünt werden.

Auch die Infrastruktur wird neu bedacht: Der bestehende Parkplatz mit rund 180 Stellplätzen könnte durch ein hochwassersicheres Parkhaus mit Fassadenbegrünung und Photovoltaikanlage ersetzt werden. Ergänzend sind Nutzungsmöglichkeiten wie Fahrradverleihstationen oder Gastronomie denkbar, auch stadtnahe Stellplätze für Wohnmobile sind im Konzept enthalten.

Ökologie und Aufenthaltsqualität im Fokus

Ziel aller Maßnahmen ist es, die Dill wieder stärker in das Stadtleben zu integrieren. „Der Fluss soll sichtbar und erlebbar werden“, so Passauer.

Gleichzeitig steht der ökologische Nutzen im Vordergrund. Renaturierungsmaßnahmen im urbanen Raum könnten durch Förderprogramme von Bund und EU unterstützt werden, erfordern jedoch langfristige Planung und breite Akzeptanz in der Bevölkerung.

Auch die Stadt zeigt bereits Interesse: Bürgermeister Lukas Winkler hat mit bestehenden Genehmigungen den Weg für eine saisonale Gastronomie an der Dill geebnet.

Die Begehung machte deutlich: Die Dill birgt großes Potenzial – als Naturraum, als Aufenthaltsort und als verbindendes Element in der Stadt. Die vorgestellten Ideen könnten ein erster Schritt sein, dieses Potenzial künftig stärker zu nutzen und die Stadt Herborn attraktiver zu gestalten.

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